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Monopole auf geistiges Eigentum sind wie der Handel mit Luft

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Copyright-Monopol – Thijs Markus

Copyright-Monopol – Thijs Markus

Marten Toonder ist einer der bekanntesten niederländischen Autoren und gilt als fast unmöglich zu übersetzen. 2012 ist von seinen Fans als “Toonderjahr” ausgerufen worden. Er schrieb Geschichten, die man auch als Fabeln sehen kann, über die Charktere Oliver B. Bumble und Tom Puss, der letzere lose basierend auf Puss in Boots, der erstere auf dem Marquis von Carabas. Wie viele andere Fabeln, sind seine Geschichten häufig Parabeln der echten Welt.

Im Jahr 1959 schrieb er eine Geschichte namens De Windhandel — direkt übersetzt als ‘Der Windhandel’. Da aber im Niederländischen das Wort ‘Wind’ viele Assoziationen in Richtung Flüchtigkeit hat, der Titel demnach mehr in Richtung ‘verweht im Wind’ geht, beschreibt der Titel ‘Handel mit Luft’ die Geschichte besser. ‘Windhandel’ ist übrigens ein Wort, das es schon etwas länger gibt und das früher für gewisse Formen von Aktienhandel stand, die in den 1600ern noch präziser wahrgenommen wurden. Der Ausdruck ist heute jedoch dafür nicht mehr gebräuchlich.

Die Geschichte geht — kurzgefasst — in etwas folgendermaßen: ein Ölhandler kommt in das Land von Lord Oliver weil es dort Öl gibt und es kommt nach einigem Ärger zu einer Wette, nach der derjenige, der bis zum Ende des Monats mehr Geld auftreibt, das Land des Lords bekommt. Lord Oliver muss daher Händler werden und fragt Tom Puss, was ‘Handel’ sei. Tom Puss erklärt daraufhin Handel ist Einkaufen bei niedrigen Preisen und Verkaufen bei hohen Preisen.

Per Zufall trifft Oliver einen merkwürdigen Einsiedler, der in einer Höhle lebt, deren Luft Halluzinationen hervorruft. Die Luft hat die Eingenart, denjenigen, der sie einatmet, in die Welt seiner Träume zu versetzen. Der Einsiedler erzählt Lord Oliver, dass “das einzige, das noch profitabler ist als bei niedrigen Preisen zu kaufen und bei hohen zu verkaufen ist, wenn man etwas kostenloses nimmt und es verkauft” — wie die Luft in der Höhle, die Lord Oliver in Ballons verkaufen kann. Die Geschichte entfaltet sich von diesem Punkt aus und geht für Lord Oliver schließlich gut aus jedoch nicht bevor der Öl- und Lufthandel in sich zusammenbrechen. (Der Lufthandel bricht nebenbei bemerkt ein weil die Luft sich in Öl verwandelt wenn man zu viel davon zapft. Vielleicht eine Parallele zum Verkauf von Träumen.)

Der Grund, weshalb ich diese stark verstümmelte Zusammenfassung der Geschichte erzähle liegt darin, dass ich stets daran denken muss, wenn ich über “Geistiges Eigentum” und all jene Handelsorganisationen höre, die darum herum entstanden sind. Ich selbst finde ‘Lufthandel’ eine eher geschickte Art, die ganze Angelegenheit zu beschreiben. An irgend einem Punkt sind wir von den Rechten, die die Wirtschaft unterstützen, zu den Rechten, die die Wirtschaft sind übergegangen. Unabhängig davon, ob wir über Markenzeichen, Urheberrechte oder Patente sprechen, stellen diese Rechte sicher, dass Dinge, die frei verfügbar sind sich in abmessbare Produkte wandeln, die als einzelne Einheiten verkauft werden können. Wie Ballons mit Höhlenluft.

Eigentumnsrechte welcher Art auch immer sind Privilegien, die jemandem zugeteilt werden und als solche von ihrer Natur aus monopolistisch sind. Und wie jedermann weiß, der schon einmal ‘Monopoly’ gespielt hat, sind Monopole für deren Inhaber hoch profitabel und für alle anderen hoch inprofitabel. Dies soll jedoch nicht heißen, dass Eigentum Diebstahl ist oder etwas von dieser Art. Der wesentliche Unterschied zwischen normalem Eigentum und geistigem Eigentum ist, dass normales Eigentum bereits eine Kopie ist. Ihnen gehört ein Paar Hosen, nicht alle Paare. Geistiges Eigentum hingegen impliziert, dass einer Person alle Kopien einer Idee gehören, das ‘intellektuelle Konzept von etwas’ als Eigentum wie jeder andere Gegenstand auch. ‘Hose’ ist ein Wort, dass wir für alle Ausprägungen eines gewissen Kleidungskonzeptes nutzen. Was wäre, wenn jemand darauf ein Eigentumsrecht hätte und auf alle damit verbundenen Anwendungen? Dies ist genau das, was ‘geistiges Eigentum’ tut.

Wieso wurden diese Rechte dann erschaffen? Nun, wenn man für einen Augenblick die Propaganda des Establishments akzeptiert dann geschah dies gerade weil diese Rechte so profitabel sind. Daher würde jeder, der eine neue Erfindung, ein neues Kunstwerk oder ähnliche Werke erschafft, für eine Weile dieses Monopol innehaben und für seine Dienste an der Menschheit fürstlich entlohnt werden. Rechte unterstützen die Wirtschaft und diese wiederum die Menschheit.

Dann kamen jedoch einige schlaue Lufthändler hinzu, die begriffen hatten, welch große Mengen an Geld man mit der Ausbeutung eines solchen Monopols verdienen kann. Also trennten sie die Rechte von den ursprünglichen Inhabern und begannen, damit Handel zu treiben. Dies gilt sowohl wenn wir über Verlage sprechen, die die Rechte von Künstlern kaufen, Industrien, die Patente von Universitäten kaufen oder Marken, die ihre Markenzeichen auf importierte Güter aufbringen. Dadurch wurden die Rechte zu ‘Gütern’, die gekauft und verkauft werden können statt einer Sicherheit, dass die Waren, die darauf basieren, denjenigen zugute kommen, die für die Entstehung des geistigen Eigentums verantwortlich sind.

Unter den gegebenen Umständen haben die ursprünglichen Rechteinhaber auch wenig Wahl außer ihre Rechte zu verkaufen, da ihnen in den meisten Fällen die Infrastruktur fehlt, um ihre Rechte in Produkte zu wandeln, die sie verkaufen können. Sie können also versuchen, ihre geistigen Früchte zu essen oder sie für Cents pro Euro verkaufen. Daher wurden die Rechte selbst zu den gehandelten Waren. Aber immerhin kann man argumentieren, dass sie immerhin die Rechte zu verkaufen haben. Ein System, das ausschließlich auf Reputation basiert würde vermeintlich die geistigen Erschaffer — nicht ihre Ausbeuter — in den Ruin treiben.

Wie das Leben so spielt, ist der technische Fortschritt in seiner eigenen stetigen Geschwindigkeit weitergegangen und hat vor nicht allzu langer Zeit das Internet erschaffen, das in der entwickelten Welt allgemein verfügbar ist. Und plötzlich hat jeder die industrielle Kapazität eine fast unendliche Anzahl an Kopien zu machen von jedem Werk, das digitalisiert werden kann, wodurch diese Dinge komplett den Bereich des kommerziellen verlassen haben, da es keinen Markt für Dinge, die keiner Knappheit unterliegen, geben kann.

Und wo bleiben nun die Lufthändler? Nun, diejenigen, die in ‘reine’ Luft investiert hatten sitzen nun auf einem riesigen Haufen an nutzlosen kommerziellen Monopolen. Sollten Sie je einen Bericht der Copyright-Lobby gelesen haben, werden Sie festgestellt haben, wie viel Geld diese derzeit zu verlieren meint. Sie kalkulieren X heruntergeladene Kopien mal Preis Y führt zu einem riesigen Verlust. Da dies jedoch eine Monopolsituation darstellt, führt deren Verlust zu einem Gewinn der Gesamtgesellschaft. Diese Zahlen sagen also nichts weiter aus, als wieviel reicher alle geworden sind.

Um beim Thema Copyright noch etwas zu verweilen – die andere gute Nachricht, die die Lobbyisten ihnen nie mitteilen würden, ist, dass die Leute keinen Cent weniger für Kultur insgesamt ausgeben. Die Leute geben ihr Geld einfach für andere Dinge aus. Konzerte, Merchandise und Kinobesuche beispielsweise. All dies führt dazu, dass die ursprünglichen Erschaffer der Werke in einer etwas besseren Position sind weil diese Dinge ihre tatsächliche Anwesemheit erfordern im Fall von Konzerten wohingegen Merchandise und Kinos sich wenig darum kümmern, welchen Inhalt sie da eigentlich genau verkaufen. Anders als das Filmstudio sind sie am Ende der Verwertungskette und nicht am Anfang.

Richtig genutzt, kann diese Situation dazu führen, dass die Rechte wieder zu ihrem ursprünglichen Zweck zurückfinden, diejenigen Leute zu unterstützen, die die Menschheit unterstützen. Und an genau dieser Stelle haben die Lufthändler ein berechtigtes Interesse daran, dies zu verhindern, egal was es kostet. Die Menge an Geld, die in den Kulturbereich fließt, ist eine mehr oder minder feste Größe, was dazu führt, dass jeder Vorteil zugunsten der Kulturschaffenden oder -kunden stets den unberechtigt erworbenen Anteil der Lufthändler schmälert.

Wenn wir jenseits des Urbeherrechts blicken, müssen wir uns fragen, weshalb ein afrikanisches Land die selbstgegebenen Rechte der westlichen Lufthändler respektieren sollte und chinesische Produkte ablehnen sollte nur weil sie billige Imitate sind? Für sie überwiegt der günstige Preis bei weitem die ‘Rechte’ der Lufthändler. Und jeder Erfinder im Westen ist an Händen und Füßen gefesselt an die Rechte anderer Patentinhaber, deren Patente seine Erfindung teilweise überlappen — und man muss sich fragen, wo sich ein solcher Erfinder schlussendlich niederlassen wird? Ich kann nur staunen, wie elegant die Natur solche Angelegenheiten regelt. Wenn man Erfindungen haben möchte, muss man Erfinder beauftragen und bezahlen und nicht nur deren geistiges Eigentum einsammeln nachdem sie sich als erfolgreich erweisen haben. Und es sind die Länder, die dies so handhaben, in denen sich die Erfinder niederlassen werden.

Um zur ursprünglichen Geschichte zurückzukehren: die Höhlenluft hat sich nicht nur in Öl verwandelt und alles was sie mit sich bringt, sie hat sich auch entzündet und brennt das Haus um uns herum nieder. Und all dies ist nur ein Vorgeschmack auf die Tatsache, dass in der nicht allzu fernen Zukunft die Technologie weit genug fortgeschritten sein wird um notwendige Infrastruktur zur Herstellung von Waren aus Ideen ähnlich verfügbar zu machen, wie sie es heute für digitale Inhalte bereits ist.

Seien Sie vorbereitet.

Dieser Artikel wurde ins Deutsche übersetzt von frankste.

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Über den Autor: Thijs Markus

Thijs Markus is a co-founder of the Dutch pirate party. Having embraced the philosophy that laziness leads to efficiency, he is yet to accomplish anything noteworthy besides that. His first piece for FoI was published in January 2012.

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Thijs Markus is a co-founder of the Dutch pirate party. Having embraced the philosophy that laziness leads to efficiency, he is yet to accomplish anything noteworthy besides that. His first piece for FoI was published in January 2012.

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