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A bulldozer pushing piles of money

Eine Kulturflatrate wird nicht funktionieren. Hier sind die Gründe weshalb nicht.

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Die alte Idee einer Kulturflatrate oder einer Internet-Abgabe ist wieder aufgetaucht. Diese Idee kann man verkürzt so darstellen: “man besteuert das Internet kräftig — beispielsweise mit 10€ pro Nutzer und Monat — und verteilt das so eingenommene Geld an die Urheber mittels der veralteten Urheberrechts-Verwertungsindustrien. Je mehr ein Werk eines Urhebers verbreitet wird umso mehr Geld erhält er.” Diese Idee wird nicht funktionieren. Hier sind die Gründe, weshalb sie nicht funktionieren wird.

Lassen Sie uns für einen Augenblick die Tatsache außer Acht lassen, dass ein Drittel des online verteilten Materials Pornographie ist und dass es politisch unmöglich sein wird, als Konsequenz einer solchen Regelung die Pornoindustrie mit mehreren Milliarden Euro pro Jahr zu subventionieren.

Lassen Sie uns für einen Augenblick die Tatsache außer Acht lassen, dass es Wahnsinn ist, der Urheberrechts-Verwertungsindustrie eine garantierte Einnahmequelle zu geben unabhängig von deren völligem Versagen, ein erfolgreiches Geschäft zu führen in dem sie weitere 40% “Verwaltungskosten” dazu verwenden können, um ihre schier unendliche Anzahl an Lobbyisten zu bezahlen.

Lassen Sie uns für einen Augenblick die Tatsache außer Acht lassen, dass etwa 99,9% der Kultur im Netz nicht in die bisherigen Kategorien bzgl. der Entlohnung fällt und dass für den Fall, dass alle Urheber entsprechend ihres Anteils entlohnt werden sollen, es etwa tausend Mal so viele Urheber geben wird, die entlohnt werden wollen, als es in den alten Copyright-Industrien jemals gegeben hat (wie die Urheber dieses Blogs als konkretes Beispiel).

Lassen Sie uns für einen Augenblick die vor dieser Herangehensweise nicht erfüllte Anforderungen an gute Gesetzte außer Acht lassen, für die es stets eine Gute Antwort auf die Frage nach dem “wer wird eigentlich wofür entlohnt?” geben sollte.

Lassen Sie uns für einen Augenblick die Tatsache außer Acht lassen, dass die Messung dessen, was verteilt wird, nicht ohne massive Überwachung jeglicher Kommunikation möglich sein wird, was komplett inkompatibel mit fundamentalen Bürgerrechten ist.

Lassen Sie uns sogar annehmen, dass sich diese Probleme lösen lassen oder bereits gelöst wurden.

Lassen Sie uns annehmen, dass es also einen fixen Kuchen gibt, der nun unter den Urhebern aufzuteilen ist gemäß ihrer jeweiliegen Beliebtheit gemessen als der Häufigkeit, mit der ihre Werke im Netz weitergegeben werden. Dies ist das Konzept eine Kulturflatrate. Was würde passieren?

An dieser Stelle wird es nun sehr einfach, da wir bereits aus Tatsachen heraus wissen was passieren würde.

Wir wissen was passieren würde deshalb, da genau dies bereits versucht wurde vor über zehn Jahren und dieses Experiment auf die vorhersehbarste Art gescheitert ist. Das Experiment wurde auf der Seite mp3.com ausprobiert, die eine solch visionäre und weit vorausschauende Idee war, dass sie prompt von der Urheberrechts-Verwertungsindustrie zu Tode verklagt, aufgekauft und schließlich geschlossen wurde. Erst in den letzte Jahren hat sich deren Geschäftsmodell der cloud-basierten Musikspeicherung als valide etabliert — dies aber von neuen Firmen wie Apple, Google und Cablevision.

Hier ist was mp3.com damals getan hat. Die Webseite hatte ein “Zahlen pro Abspielen”-Geschäftsmodell in dem ein Urheber je nachdem wie sehr er abgespielt und wie sehr er verbreitet wurde mehr Geld erhielt er aus dem gemeinsamen Einnahmenpool von mp3.com. Die Band 303 Infinity zum Beispiel war dort sehr beliebt und wurde über mp3.com berühmt. Dies ist exakt das Modell der Kulturflatrate.

Was geschah also?

Wie bei Wikipedia beschrieben (Hervorhebungen durch mich, englischer Link übersetzt):

Für eine Weile sah es so aus, als ob dieser neue Kontinent an Künstlern das Musikgeschäft wirklich verändern würde. Dann kamen jedoch mehrere Faktoren zum Tragen, die den Schwung von mp3.com deutlich gebremst haben. Das “Zahlen pro Abspielen”-Experiment, das die Künstler finanziell für die Downloads ihrer Werke belohnte, wurde von den Künstlern selbst sabotiert. Ehrlich handelnde wurden um ihren gerechten Anteil betrogen durch umtriebige Trickser, die das System ausnutzten durch selbstprogrammierte Download-Bots und Download-Gangs, die häufig lange Songlisten abspielten bei heruntergedrehter Lautstärke um ihre Zahlen künstlich hochzumanipulieren und entsprechend gut bezahlt zu werden. Mp3.com hat versucht, solches Verhalten einzudämmen und hat mehrfach Betrüger von der Seite verwiesen aber sie haben die Trickserei nie in den Griff bekommen…

Dies war die vorhersagbarste Entwicklung, die denkbar ist. Ab dem Augenblick, ab dem jemand aus einem gemeinsamen Topf bezahlt wird sobald eine Datei verbreitet oder heruntergeladen wird, wird diese Datei immer wieder verbreitet, weit jenseits dessen was unter normalen Umständen passiert wäre und nur um die Zahlen zu frisieren, die am Ende bestimmen, was derjenige ausgezahlt bekommt.

Dies ist ein Beispiel wie aus einem Lehrbuch dafür, wie man Dinge nicht mit Geld messen kann ohne das gemessene Ding selbst durch die Messung komplett zu verändern.

Dies ist der Grund, weshalb die Kulturflatrate nie funktionieren wird. Bitte hören Sie auf, sich einzubilden, dass sie eine gute Idee ist. Sie ist eine schreckliche Idee, wie ich schon früher geschrieben habe und auch aus vielen anderen Gründen.

Dieser Artikel wurde ins Deutsche übersetzt von frankste.

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Über den Autor: Rick Falkvinge

Rick is the founder of the first Pirate Party and is a political evangelist, traveling around Europe and the world to talk and write about ideas of a sensible information policy. He has a tech entrepreneur background and loves whisky.

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Rick is the founder of the first Pirate Party and is a political evangelist, traveling around Europe and the world to talk and write about ideas of a sensible information policy. He has a tech entrepreneur background and loves whisky.

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